26.05.99 - Helmut Benkert (SAINT-GOBAIN
Advanced Ceramics Lauf GmbH)Beispiele
einiger Verbindungstechniken
Keramik / Keramik oder Keramik /Metall
Es gibt für die Keramik eine Anzahl Bücher oder Schriften, in welchen
Hinweise gegeben werden, wie die Keramiker die Diskussion suchen, um bei der Gestaltung
neuer Bauteile diese " keramikgerecht" auszulegen. Deshalb bevorzugen wir mit
den Konstrukteuren oder Entwicklern ein lebendiges Gespräch von Anfang an zu führen.
Die Keramik wünscht allgemein:
- Formen relativ einfach und symmetrisch auszulegen
Absätze und Hinterschneidungen zu vermeiden oder Modulbauweise zu bevorzugen
Gleichmäßige Wandungen
Keine scharfen Ecken oder Kanten
- Spannungsspitzen zu vermeiden
Keine plötzlichen Querschnittsveränderungen
Verringern der Kerbwirkung
Runde Ecken, keine langen auslaufenden spitzen Kanten
Auflageflächen vergrößern
Lochabstände nicht zu klein bemessen
- Zugspannungen zu minimieren
Unwandlung von Zug in Druckspannung wo immer möglich
Druckvorspannung einsetzen durch z.B. Schraubverbindung
- Materialanhäufungen zu vermeiden
Wanddicken gleichmäßig auswählen
Keine direkten Knotenpunkte
Unterschiedliche Wandstärken insbesonders beim Strangpressen vermeiden
Diese unvollständige Aufzählung sollte auf die Komplexität des Themas hinweisen, da
auch noch die Art der Herstellungsweise wie z.B.Trockenpressen, Extrudieren, Heißgießen,
Isostatischpressen etc., um nur einige Arten aufzuzählen, die keramischen
Herstellmöglichkeiten beeinflußt.
Hinzufügen sollte man noch, daß die unterschiedlichen keramischen Werkstoffe bildsam
d.h. plastisch, oder unbildsam (pseudoplastisch) sind, welche man dann teilweise nur mit
Hilfe organischer Substanzen verformen kann. Dies spiegelt sich letztendlich auch in der
Preisgestaltung des Bauteiles wieder.
Zusätzlich ist es dann wichtig mit einer geeigneten Verbindungs- oder Fügetechnik die
keramischen Teile in das notwendige Gesamtsystem zuverlässig zu integrieren. Wobei die
Keramiken mit anderen Werkstoffen sich lösbar oder unlösbar miteinander verbinden
lassen. Jedoch sind öfter Anpassungsschwierigkeiten zumeist durch unterschiedliche therm.
Ausdehnungskoeffizienten oder elastischem Verhalten insbesonders mit metallischen
Werkstoffen vorhanden.
( Eine ausführlichere Beschreibung über keramikgerechtes Konstruieren sowie
Verbindungs- und Fügetechnik findet man auch in dem Brevier "Technische
Keramik")
Anwendungsbeispiele in der Silikatkeramik für die Konzeption komplexerer Bauteile
Da die silikatischen Werkstoffe (z.B. Steatit, Cordierit, Aluminiumsilikat) gute bis
sehr gute Möglichkeiten zur Herstellung auch komplizierter Teile anbieten und zumeist im
Vergleich zu den gängigen Oxidkeramiken ( Al2O3, ZrO2)
ein sehr günstiges Preisniveau haben und außerdem sowohl gute elektrische und
mechanische Eigenschaften besitzen, kann man Bauteile unterschiedlichster Geometrie
herstellen.
Außerdem können Werkstoffentwicklungen auch bei silikatischen Rohstoffen, bei Bedarf
und Wirtschaftlichkeit, gezielt durchgeführt werden.
Es ist aber desöfteren notwendig diese Bauteile mit anderen zu einem Funktionsteil zu
verbinden.

KERAMIK / KERAMIK
Verbindung mit Glasuren
Spule für Medizintechnik aus dem Material Steatit
Eine Spule (siehe Skizze) wurde früher mittels Gießverfahren hergestellt.
Bekannterweise ist das Gießverfahren in der Porzellanindustrie ein erprobtes und sehr gut
beherrschbares Verfahren. Jedoch ist dieses Verfahren in der Steatitindustrie nur bedingt
einsetzbar, da nur geringe Mengen pro Jahr hergestellt werden und die hier eingesetzten
Rohstoffe das Gießen erschweren. Außerdem sind notwendige enge Maßtoleranzen nur schwer
einzuhalten.
Somit hat man dieses Teil in drei Einzelteile zerlegt. Das Mittelteil wurde extrudiert
und die äußeren zwei Platten trockengepreßt (Bild #2). Da Glasuren mit gleichen
Ausdehnungskoeffizienten wie Steatit vorhanden sind, konnte man die Teile an den
entsprechenden Stirnflächen glasieren und in einem zusätzlich eingeführten
Brennverfahren verbinden (Bild #3). Der Vorteil liegt hier in einer relativ
spannungsfreien Verbindung, wobei die Glasur eine feste Verbindung mit der Steatitkeramik
eingeht, das heißt die "Klebestelle" ist so fest wie der Steatitscherben.

Verbindung mit Kitten oder Zement
Zwei von der Herstellungsart und Eigenschaften völlig unterschiedliche Keramiken sind
mittels eines Kittes (hier Basis Wasserglas oder Aluminiumphosphat ) zu einem
Zündisolator (siehe Bilder # 4,5,6) entwickelt. Für dieses Bauteil benötigt man als
aktives Moment eine SiC Keramik, deren Widerstand bekannt ist und somit als Heizer
dient. Als Träger benutzt man eine dichte Cordieritkeramik C 410, welche noch gute
mechan. Eigenschaften hat, jedoch auf Grund des niedrigen Ausdehnungkoeffizienten eine
notwendige Temperaturwechselbeständigkeit besitzt. Diese Bauteile, werden seit Jahren in
großen Mengen in USA eingesetzt, jedoch sind in den letzten Jahren bereits eine Anzahl
von Anwendungsbereichen auch in Europa bekannt.

KERAMIK / METALLE
Verbindung mechanisch / Verklebung
Für eine Lampenfassung wurde ursprünglich die Verbindung gewählt einen Gewindering
aus Messing mit einem Epoxidharzkleber in die Keramik einzukleben. Auf den Gewindering
wurde anschließend der Lampenschirm (Gewicht ca. 2000g Bild #9) aufgeschraubt. Man
beobachtete aber in der Praxis, daß die UV Strahlung wie auch die
betriebsbedingten Temperaturschwankungen die Verklebung nach einer gewissen Zeit
verspröden ließ. Dies hatte zur Folge, daß der aufgeschraubte, sehr schwere
Lampenschirm gefährdet war sich zu lockern. Die Lösung war, zur Sicherheit ein
metrisches keramisches Innengewinde in die Keramik einzuarbeiten ( Bilder # 7,8). Somit
kann der Gewindering aus Messing direkt in die Keramik eingeschraubt werden. Als
Verdrehungsschutz wird die Schraubverbindung aber weiterhin mit einem Kleber noch
stabilisiert.

Brennertechnik
Keramische Lochplatten werden als Brennerplatten für Gasinfrarotstrahler oder
Heizthermen eingesetzt. Allgemein typische Verbindungsarten bei Infrarotstahlern sind
Verkitten mit einem Wasserglaskitt oder Abdichten mit einem anorganischen Fasermaterial (
Bild #10). Diese Verbindungsarten haben sich seit Jahren bewährt. Es wird bei diesem
Verfahren erreicht, die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten der Keramik und des
Metallrahmens zu verknüpfen, wobei in der Kittnaht, als schwächstem, Glied, ein kleiner
Haarriss nach der ersten Inbetriebnahme auftritt. Dies ist aber hier nicht störend, da
bei Gasdrücken von min. 30mbar keinerlei Rückschlag des
Gasluftgemisches in der Brennkammer vorkommt.
Anders ist die Verbindung bei hochwertigen Geräten, wie den modernen modulierenden
Heizthermen mit Vormischbrennern (Bild #11), zu wählen. Hierzu ist es notwendig, da alle
Verbindungsstellen Keramik / Metallrahmen gasdicht verschlossen sein müssen, die Keramik
" streßfrei" in den Rahmen einzubauen. Die gewählten Lösungen sind
Faserdichtungen und / oder Silikondichtungen. In besonderen Fällen muß man
berücksichtigen, daß die max. Temperatur an der Rückseite der Keramikplatten nicht eine
Silikondichtung im Dauerbetrieb beschädigt. Man nützt dazu die sehr niedrige
Wärmeleitfähigkeit der hochporösen Keramik aus und dichtet auf dem elastischen
Silikonband direkt ab.


Hochfrequenztechnik
Bei Hochfrequenzspulen bzw. Flachelektroden ( Bilder # 12 und 13) wird z.B. als
Trägermaterial Sondersteatit (e : 6; tan d
1M: 12 x10-4) eingesetzt. Die Teile werden mittels
Siebdruckverfahren mit einer definierten Silberschicht bedruckt und nach dem Einbrennen
zum Schutz mit einem Glasfluß glasiert. Wichtig ist die Abstimmung der
Ausdehnungskoeffizienten des Edelmetalls und der Glasur mit der Keramik. Außerdem kann an
den Anschlüssen mittels einer galvanischen Verstärkung erreichen, daß die
Lötfähigkeit verbessert wird.

Chemiekeramik
In verschiedensten Abgasreinigungssystemen werden eine Reihe keramischer
Trägermaterialien eingesetzt. Im Allgemeinen wird auf einen relativ porösen
Cordieritkörper ein "Washcoat" aufgetragen, welcher eine hohe spezifische
Oberfläche hat, und nach einem Trockenvorgang auf die Wabe eingebrannt wird. Es gibt
jedoch auch die Möglichkeit Al2O3 oder Al Silikatkeramiken
so einzustellen, damit man auf diesen Arbeitsgang verzichten kann. Es ist mit diesen
hochporösen Keramiken ( Bild # 14) möglich, direkt die Edelmetalle oder auch
Nichtedelmetalle aufzutragen, da diese zusätzlich gute Werte der spezifischen Oberfläche
aufweisen (g -Al2O3). Die physikalischen
Werte werden nach Kundenanforderungen festgelegt. Nachteilig wirkt sich bei diesem
Material der höhere Ausdehnungskoeffizient und damit ungünstigeres Verhalten der
Thermoschockbeständigkeit aus. Deshalb werden solche Keramiken hauptsächlich in
stationären Anlagen eingesetzt.

Literatur:
Tobias Grau Katalog
Skizze Bosch Thermotechnik
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