| 05.08.98 - Helmut Benkert (SAINT-GOBAIN Advanced Ceramics Lauf
GmbH)MgO -- ein phantastischer
elektrokeramischer Isolierwerkstoff
In der Norm EN 60672 - 1 bzw. 3 sind Magnesiumoxidkeramiken beschrieben, C
820 .
Rohstoff:
Unter Magnesia versteht man im allgemeinen auch eine bestimmte Gruppe
von Magnesiumverbindungen. Sie umfaßt u.a. Magnesiumcarbonat, Magnesiumhydroxid,
Magnesiumhydroxidcarbonat und Magnesiumoxid (z.B. Magnesia usta). Für natürliches
Magnesiumoxid sind öfters auch die Begriffe gebrannte Magnesia und gebrannter Magnesit
gebräuchlich.
Man unterscheidet bei Magnesia einerseits zwischen hochgebrannten (ca.
1500°C ). totgebrannten (ca. 1900°C) und elektrogeschmolzenen (ca. 2800°C, Periklas) Typen.
Diese Werkstoffe sind chemisch kaum noch reaktiv, im Gegensatz zu kaustisch (ca. 800°C) gebrannten Typen, welche noch eine chem. Reaktivität zeigen
und in wäßriger Aufschlämmung alkalisch reagieren.
Die bekanntesten mineralischen Formen sind.
Magnesit: MgCO3
Nesquehonit MgCO3 x 3 H2O
Hydromagnesit 3 MgCO3 x Mg(OH)2 x 3H2O
Brucit Mg(OH)2
Periklas MgO
MgO ( Periklas ) Mineral
Kristallklasse: kubisch
Mohs´sche Härte: 5,5 - 6
Knoop´sche Härte: 3700 N/mm2
Reindichte: 3,58 g/cm3
spez. Wärme: 1,0 kJ /kg x K ( 20 - 200°C )
Wärmeleitfähigkeit: 12 W/mK ( 300°C, niedriger Porenanteil )
lin therm. Ausdehnungskoeff.: 13 - 14 x10-6 K-1 (1000
°C )
E - modul: 3 x 105 N/mm2 (Raumtemp.)
Dielektrizitätskonstante: 11 ( 30 Hz - 1 MHz )
spez. elektr. Widerst.: 1011 W m (1000°C
Einkristall)
Magnesiumoxid tritt nur sehr selten als natürliches Mineral (Periklas) auf,
nie gesteins -oder lagerstättenbildend, da es sich über die geologischen Zeiten in
feuchter Atmosphäre in Magnesiumhydroxid umwandelt. Somit wird es wegen seines hohen
Erweichungspunktes ( ca 2400°C oxid. Atmosphäre), der guten
Wärmeleitfähigkeit und hervorragender Isolationsfähigkeit in großtechnischem Maße
hergestellt.
Lager- bzw, Produktionstätten
Bekannte Orte in Europa sind:
Holland, Deutschland, Italien, Österreich, Spanien, Griechenland, Slowakei,
Großbritannien
Weltweite Vorkommen und Hersteller:
Indien, Australien, Mexiko, USA, Kanada, Israel, Japan, Südkorea, Rußland
Magnesiumoxid wird im allgemeinen über Magnesiumkarbonat oder Magnesiumhydroxid
gewonnen, die beide zu MgO gebrannt werden. Desweiteren sind, da Lagerstätten mit
besonders reinen oder leicht zugänglichen Magnesit nicht sehr häufig sind, auch andere
Aufbereitungsverfahren industriell gebräuchlich:
MgO - Herstellung aus Seewasser
MgO - Herstellung aus Salzsolen
MgO - Herstellung über Pyrolyseverfahren MgCl2 ( Sprührostverfahren )
Die weltweit produzierte Menge wird auf >10Mio t/ Jahr geschätzt.
Anwendungsgebiete allgemein in der Keramik
- Baustoffe ( Leichtbauwände, Sorelzement )
- Glasindustrie ( Fritten )
- Schleifscheibenindustrie
- Feuerfestindustrie
- Elektrowärme Industrie ( z.B. Rohrheizkörper )
- Mineralisolierte Leitungen ( z.B. Thermoelemente )
Auf Grund der verschiedenen Aufbereitungsformen sind die physikalischen Eigenschaften
bei MgO sehr unterschiedlich. Deswegen werden in der techn. Keramik weniger totgebrannte
Magnesiatypen, sondern hauptsächlich Schmelzmagnesia für die Herstellung der
Produkte für die Elektrowärmeindustrie sowie für die Herstellung der Isolierteile für
mineralisolierte Leiter eingesetzt. Die Gründe sind:
- hohe Reinheiten möglich ( >99,8%)
- nur Spuren von Bor, Cadmium, Schwefel, Chlor
- beste elektr. Isolation
- inert gegen Metalle bei hohen Temperaturen
- gute Beständigkeit gegen Feuchte ( abhängig von Kristallitgröße )
- hohe Wärmeleitfähigkeit
- hervorragende chem. Beständigkeit
Einsatz und Herstellung von MgO - Brechröhrchen
Aus diesem Werkstoff werden für die Wärmetechnik, mineralisolierten
Thermoelementen, Meßleitungen und Heizleitern, vorwiegend Röhrchen mit definierter
Festigkeit gefertigt. Der MgO - Gehalt liegt hier in der Wärmetechnik oft bei 85%, bei
den mineralisolierten Leitungen zumeist bei 97 bis 99,8%.
Die Keramikröhrchen werden über die Widerstandsdrähte gezogen und in Metallrohre
eingeführt. Durch Ziehen, Hämmern oder Walzen verlängert man die Ausgangslänge.
Hierbei kommt es zu einer Querschnittsverkleinerung, wobei die Keramik zerdrückt wird. Es
gelingt bei diesem Arbeitsgang ohne Zerstörung des Innenleiters die Ausgangslänge des
Kabels enorm zu vervielfachen. Hierbei spielt die eingesetzte Korngröße des Rohstoffes
eine entscheidende Rolle, da zu große Kristallite den Innenleiter durchschneiden und
somit die Kabelnutzlänge gravierend verkürzen würden. Die MgO-Kristallite sollten hier
nicht größer als 70µm sein. Für besonders kritische Anwendungen sind auch kleinere
Kristallitgrößen (<40µm) möglich. Somit ist gewährleistet, daß ein oder mehrere
drahtförmige Leiter allseitig von gut isolierenden MgO - Pulver umgeben sind. Die
Verdichtung hierbei ist sehr hoch, sodaß man nahezu 85% der theoretischen Dichte von
Periklas erreicht.
Die angewandten Geometrien sind sehr unterschiedlich. Allgemein werden MgO-Rohre (
Einloch- und Mehrlochrohre ) AØ 2mm - 25mm, Bohrungen IØ 0,5mm - 15mm eingesetzt. Es ist
jederzeit auch eine Vielfalt von Flach-oder Ovalrohren denkbar. Die Mindestwandstärke ist
abhängig von der Größe der Rohre, sollte aber 0,2mm nicht unterschreiten.
Flow - chart Produktion MgO - Röhrchen; allgemein
fehlt noch
Werkstoffeigenschaften von Material E 97 spezial:
( ein typisches MgO-Material, welches sowohl in der
Wärmeindustrie , wie auch in der Meßleitungsindustrie seine Anwendungsgebiete hat )
chem. Analyse:
MgO 97 MA%
SiO2 1,2
Al2O3 0,5
CaO 1,0
Na2O <0,005
K2O <0,005
Fe2O3 0,08
Bor 20ppm
*Rohdichte: 2,15 - 2,5g/cm3
*Wasseraufnahme: 18 - 12 Gew%
*Biegefestigkeit: 10 - 60 N/mm2
( drei - Punkt - Messung )
* Diese Werte sind abhängig von der Brenntemperatur, die
Einstellung erfolgt in Absprache mit dem Kunden.
lin. therm. Ausdehnungskoeffizient:

Spez. Durchgangswiderstand
r v600 2 x 1010 W m
r v800 6 x 108
r v1000 2 x 107
REM - Aufnahme:
( Vorstehende Druchschnittsangaben entsprechen den im Labor und
Betrieb gemachten Erfahrungen. Sie können nur als Anhalt dienen und sind in diesem Sinne
als unverbindlich anzusehen )
Beispiel der Vielfalt der MgO - Rohre

Dieser kleine Ausschnitt bietet einen Überblick der Möglichkeiten in der
Keramik. Gleichermaßen kann man auch sehr komplexe Formen uniaxial verpressen oder mit
"injection mouldingVerfahren" herstellen.
Literatur:
Ullmann Encyklopädie der techn. Chemie
Lehmann & Voss Magnesia
Copyright © 04.05.1998 Helmut
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