| 10.06.98 - Helmut Benkert (SAINT-GOBAIN Advanced Ceramics Lauf
GmbH) Keramische Lochplatten für die Wärmetechnik
1) Einleitung
Keramische Lochplatten werden seit langer Zeit als
Trägermedium für Strahlungsheizungen verwendet. Ein Gas - Luftgemisch wird bei
diesen Geräten über einen Injektor nach dem Prinzip des Bunsenbrenners durch die
perforierte Keramikplatte geleitet und an der Oberfläche restlos verbrannt. Die von der
glühenden Platte ausgesandte Strahlung liegt zumeist im Wellenlängenbereich von 0,8µm -
4µm. Die Leistungen liegen je nach Gerätekonstruktion zwischen 80 kW/m2 - 150
kW/m2.
Erst seit etwa 10 Jahren hat man die Vorteile der Keramikplatten auch in der
Gasheizgeräteindustrie erkannt und mittlerweile insbesonders bei Niedertemperatur-
oder Brennwertheizthermen mit Erfolg erprobt und eingesetzt. Da die Keramikplatte
als Brenner eingesetzt ist sind die Leistungsbereiche viel höher, sie liegen zwischen 200
kW/m2 - 1200 kW/m2.

Prinzip eines Gasinfrarotstrahlers mit Zuführung des
Gas-Luft-Gemisches
tR = tL + tS
( tR Raumtemperatur, tL
Raumlufttemperatur, tS Strahlungstemperatur )
2) Die keramischen Materialien
Auf Grund der unterschiedlichen Einsatzgebiete hat man
spezielle Materialien entwickelt. Diese unterscheiden sich teilweise gravierend
hinsichtlich ihrer physikalischen Werte. Ein zum Teil noch röntgenamorphes
Aluminiumsilikat, welches lediglich bis zu einer Oberflächentemperatur von 870°C
belastet werden kann, wird bevorzugt in preisgünstigen nichtstationären
Haushaltsinfrarotheizungen ( z.B. Italien, Spanien, Türkei ) eingesetzt.
Technisch hochwertige cordierit(haltige) oder mullithaltige Werkstoffe
setzt man dagegen bei Temperaturen von 1200° - 1400°C ein. Die industriellen
Anwendungsgebiete sind u.a. Papiertrocknungsanlagen; Lacktrocknungsanlagen;
Hallenheizungen; Heizungen für Sportstätten oder Kirchen, Verladerampen,
Waggonauftauanlagen und transportable Heizungen
Zumeist auf der Basis von cordierithaltigen Werkstoff werden durch
Hinzufügen von organischen Ausbrennstoffen Porositäten erzielt, welche es ermöglichen,
die Lochplatte innerhalb Sekunden auf hohe Temperaturen an der Brenneroberseite ( typ.1000°C ) zu belasten ohne die Platte zu zerstören. Wegen der
niedrigen Wärmeleitfähigkeit der Keramik und Kühlung des durchstömenden
Gasluftgemisches wird die Rückseite der Platte dabei kaum erwärmt. Wärmespannungen in
der Platte werden durch den niedrigen therm. Ausdehnungskoeffizienten gering gehalten und
letztendlich über die vorhandenen Poren kompensiert.
Es ist möglich die Porositätswerte zu steuern, so daß zum einen
höhere Festigkeitswerte eingestellt ( geringere offene Porosität ) werden können oder
zum anderen die Wärmeleitfähigkeit niedriger bzw. die Temperaturschockbeständigkeit
höher liegen.
3)Geometrie der Lochplatten
Die Platten können mit dem sogenannten Naßpreßverfahren
hergestellt werden. Mit diesem Fertigungsverfahren ist es möglich eine Vielzahl
geometrischer Teile herzustellen.
typ. Größen ( mm )
Fläche: bis 200 x 140
Höhe: bis 17,0
Lochdurchmesser: 0,8 - 2,5
Wandstärke: >0,5
freier Lochquerschnitt: max 55%

4) Anwendung der Lochplatten als
Infrarotstrahler.
Der Heizeffekt der Infrarotstrahler, auch Hellstrahler
genannt, ist vergleichbar mit dem Phänomen der wärmenden Sonnenstrahlen. Langwelliges
Licht wandelt sich durch Absorption in Wärmeenergie um. Da die Absorption mit der Dichte
des angestrahlten Mediums steigt, werden feste Körper sofort erwärmt, obgleich die
umgebende Lufttemperatur niedrig bleibt. Somit wird die Heizwirkung sofort einsetzen, ohne
daß durch Lufterwärmung kostbare Energie verschwendet wird. Die Heizstrahler werden mit
Erdgas oder Flüssiggas betrieben, diese Brennstoffe haben im Vergleich zu Kohle oder
Erdöl die niedrigeren Emissionswerte. Das Gas wird an der Oberfläche der Keramikplatte
bei rel. niederen Temperaturen nahezu restlos verbrannt Da die Verbrennungswärme spontan
in Infrarotstrahlung umgesetzt wird, sind sowohl die CO - Werte, wie die NOx - Werte
extrem niedrig.
Die keramische Lochplatte trennt den Gasmischraum des Brenners von den
heißen gezündeten Gasen ab. Nach dem Entzünden bildet sich an der Oberfläche der
Keramikplatte zunächst ein blauer Flammenschleier, der die Keramik bis zur Rot- oder
Gelbglut erhitzt. Die Gasflamme zieht sich direkt an die Oberfläche der Keramikplatte und
etwas in den Lochkanal zurück, bis sich ein Gleichgewicht einstellt zwischen
Strömungsgeschwindigkeit des Gas-Luft-Gemisches und der Flammen- bzw.
Rückschlagsgeschwindigkeit der Gasflamme. Die geringe Wärmeleitfähigkeit der Keramik in
Verbindung mit der Kühlung der Plattenrückseite durch den Gasluftstrom verhindern ein
Rückschlagen der Flamme in die Mischkammer.
5) Anwendung der Lochplatten in der
Gasheizgeräteindustrie
Mit keramischen Gas - Vormischbrennern ( teilweise
gebläseunterstützt ) können in einem Leistungsbereich von 200 - 1200 kW/m2
äußerst niedrige Schadstoffemissionen erreicht werden. Bereits frühere Untersuchungen
von dem Institut Gasunie (1992) in Holland haben richtungsweisende Erkenntnisse ergeben.
Somit ist es möglich mit diesen Lochplatten nicht nur den blauen Engel, sondern auch die
hohen Anforderungen des Hamburger Fördergesetzes einzuhalten ( z. Zt. 20mg/kW NOx;
15mg/kW CO ). Da jeder Gasheizgerätehersteller eigene Baugruppen erstellt, ist es
notwendig die Keramikplatte auf diese Bedürfnisse mit abzustimmen. Als maßgebliches
Kriterium bei Vormischbrennern ist nicht nur die maximale Temperatur- sondern auch die
extreme Temperaturwechselbeanspruchung zu sehen. Spitzentemperaturen bis zu 1200°C treten
hier auf.
Mittlerweile werden Gaswärmeerzeuger zunehmend mit modulierender
Brennertechnik ausgerüstet. Dies bedeutet insbesonders bei der Gas-Brennwerttechnik eine
erhebliche Verbesserung des Jahresnutzungsgrades und des Emissionsverhaltens. Die
üblichen Modulationsbereiche sind 1 : 3, jedoch sind schon größere Bereiche in
Erprobung.
Es sind Gasthermen, welche keramische Lochplatten als Brenner haben,
sowohl in Deutschland wie auch in den Niederlanden bei Stiftung Warentest oder ähnlichen
Instituten mit "sehr gut" bewertet worden.
6) Zusammenfassend die Vorteile des
Infrarotwärmesystems:
( System Infrarotstrahler bzw, keram.
Flächenbrenner )
- geringer Energieverbrauch
- niedrige Wartungskosten
- präzise Regelungsfähigkeit und Steuerung
- gute thermische Behaglichkeit
- Raumgewinn
- einfache Installation
- hoher Wirkungsgrad
- niedrige Emissionswerte
- hohe Betriebssicherheit
- lange Lebensdauer
Literatur:
Fa Gogas ( Informationsblätter )
Gasunie ( Huishoudelijke Low - NOx Technieken aan
keramische tegel Fa NIK )
Heiner Hüppelshäuser ( Schadstoffarme Gasvormischbrenner für
kleine Leistungen )
Solaronics ( Bild )
 |